Autographen & Bücher · Eberhard Köstler · Fiedererstraße 1 A · 82327 Tutzing


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Autographen - Februar 2011

A - E

1     Andersen Nexö, Martin, Schriftsteller (1869-1954). Die Küste der Kindheit. Novellen.  Einzige berechtigte Ubertragung aus dem Dänischen von Herman Kiy. München, Albert Langen, 1912. 8°. 157 S., 1 Bl. Illustr. OKart. nach Wilhelm Schulz.      € 100,–

Erste deutsche Ausgabe. - Vortitel mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers an Johannes Timm: "17. 2. 18 | An | Frau und Herrn Timm | freundschaftlichst | Martin Andersen Nexö". - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern. - Unbeschnitten.

2     Andersen Nexö, Martin, Schriftsteller (1869-1954). Das Glück. Eine Erzählung aus dem Bornholmer Nordland. Einzige autorisierte Übersetzung aus dem Dänischen von Herman Kiy. München, Albert Langen, 1913. 8°. 100 S., 2 Bl. Illustr. OKart. nach Wilhelm Schulz (Rücken leicht lädiert).      € 80,–

Erste deutsche Ausgabe. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers in dänischer Sprache an Johannes Timm, datiert 2. II. 1918. - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern. - Unbeschnitten. - Beilage.

3     Andersen Nexö, Martin, Schriftsteller (1869-1954). Bauern-Novellen. München, Albert Langen, 1928. 8°. 290 S., 1 Bl. OKart. (mit kleinen Randeinrrissen).      € 100,–

Gesammelte Werke. Deutsche Original-Ausgabe, Bd. IV. - Reihentitel mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers an Johannes Timm: "Lieber Freund | Johannes Timm | Es war schön, sich wieder | zu treffen! Wenn ich wieder | nach München komme, müssen | wir uns bestimmt sehen. | An Dich und Deine liebe | Frau herzliche Weihnachts- | grüsse von uns drei | Dein ergebener  | Martin Andersen-Nexö". - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern. - Unbeschnitten.

4     Andres, Stefan, Schriftsteller (1900-1979). Wir sind Utopia. Novelle. Berlin, Riemerschmidt, 1943. 8°. 91 S., 2 Bl. OPp. (leicht bestoßen).      € 50,–

Titelblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Für Isabella Jaffe | mit guten Wünschen! | Stefan Andres | München 9. XII. 44.".

5     Bacheracht, Therese von, Schriftstellerin (1804-1852). Eigenh. Brief mit U. (Paraphe). Ohne Ort und Jahr [Wien, August 1847]. Gr.-8°. 1 Seite. Doppelblatt mit Adresse und Siegelrest.      € 480,–

An den Schriftsteller Moritz Hartmann (1821-1872): "Ich habe Ihnen heute Morgen Stiezes [?] Buch und eine Novelle von mir als Fortsetzung unseres gestrigen Gespräches gesandt und Sie haben mir dagegen die Grenzboten [hrsg. von Ignaz Kuranda] geschickt. Letztere folgen anbei zurück. Über das von mir entworfene Bild mit den kleinen komischen Augen hat die Gräfin Zaluska Beifall gelächelt, ich muß mich also schon über den geistreichen Artikel, der in französischer Luft geschrieben ist, um so mehr beruhigen, da ich wirklich voraussetze daß ein Schelm auch im treuherzigsten Tone reden kann [...]" - Die Reiseschriftstellerin schrieb auf Anregung des mit ihr eng befreundeten Karl Gutzkow Romane und Erzählungen. 1848 erschien bei Brockhaus ihre "Reise nach Wien"; die Reise selbst hatte sie bereits im Sommer 1847 unternommen. - Sehr selten.

6     Basave, Agustin, Breve Historia de la Literatura Espanola. 7. ed. Guadaljara (Mexico), Font, 1939. 8°. 1 Bl., 262 S. OKart. (Vorderumschlag lose).      € 40,–
Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "A mi buen | amigo, Don | Ernesto Jaffe | Ag. Basave | MCMXXXIX". - Gebräunt.

7     Baudissin, Hermann Wilhelm von, großherzoglicher oldenburgischer Kammerherr und dänischer Hofjägermeister (1798-1891). Eigenh. Brief mit U. Freiburg im Breisgau, 29. VIII. 1864. Gr.-4°. 2 Seiten. Doppelblatt.      € 200,–

An einen Fürsten in München: "[...] Durch die Prinzessinnen Auguste Amalie und Henriette von Schleswig Holstein Sonderburg Augustenburg erhielt ich während meines Aufenthalts in München den ehrenvollen Auftrag Ew. Durchlaucht anliegende Subscriptionsliste zu einer von den Prinzessinnen veranstalteten Lotterie zum Besten der durch den Krieg beschädigten Bewohner Alsens zu überreichen und Ew. Durchlaucht die Bitte vorzulegen dieses Unternehmen gelegentlichst zu unterstützen [...] Erst gestern erfuhr ich nun hier daß die Verlosung bis zum 7ten September verschoben sey [...]" - Baudissin heiratete 1846 in Freiburg die Schriftstellerin Ida Kohl (1814-1888).

8     Bennet, Alan, Schriftsteller (geb. 1934). 40 Years On. (Programmheft). London, Apollo Theatre, 1968. Gr.-8°. Mit Abb. 24 S. OKart. (leichte Altersspuren).      € 50,–

Programmheft mit eigenh. Signaturen der Mitwirkenden Alan Bennett, John Gielgud, Dorothy Reynolds, Paul Eddington, Nora Nicholson und Keith MacNally. - "In seinem ersten Drama, Forty Years On (1968), dessen Rahmenhandlung Schüler ein historisches Theaterstück aufführen lässt, nimmt Bennett die junge britische Geschichte, insbesondere die Bloomsbury Group und T. E. Lawrence aufs Korn." (Wikipedia).

9     Björnson, Björnstjerne, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1832-1910). Eigenh. Brief mit U. Rom, 30. XI. 1874. Kl.-8°. 1 Seite. Doppelblatt.      € 300,–

An den Münchner Hofbuchhändler Theodor Ackermann am Promenadeplatz: "[...] Alles wass 'geschäft' heißt, besorgt mein freund und Cassierer Hrn. cancellirad F[rederik] Hegel in Copenhagen (Gyldendalske boghandel) zu ihm habe ich Ihre wehrte Schreiben geschickt [...]" - 1903 erhielt Björnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur "als ein Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter.".

10     Bormann, Edwin (Pseud. Bliemchen), Schriftsteller (1851-1912). Eigenh. Brief mit U. Leipzig, 12. VII. 1887. Gr.-8°. 2 Seiten.      € 100,–

An den Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke mit der Bitte um Empfehlung eines Gesangslehrers: "[...] Sie wollten mir in diesen Tagen meine Manuskripte zurücksenden [...]".

11     Brandenburg, Hans, Schriftsteller (1885-1968). Die ewigen Stimmen. Gedichte. Stuttgart, Walter Seifert, 1921. Gr.-8°. 109 S. OPp. mit Farbschnitt (gebräunt, Gelenke oben eingerissen).      € 50,–

Erste Ausgabe. - Kosch 867. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Herrn Heinrich Jaffe, | meinem ersten Verleger und Helfer | vor achtzehn Jahren, | in alter Ergebenheit | Hans Brandenburg | Januar 1921".

12     Bredt, Ernst Wilhelm, Schriftsteller (1869-1938). Erfolgreiche Künstler und andere. Mit einem Nachwort. München, Fr. Seybold, ohne Jahr [1913]. Kl.-8°. 62 S., 1 Bl. OPp. (Rücken oben etw. lädiert).      € 40,–

Vortitel mit eigenh. Widmung des Verfassers "Herrn | Heinrich Jaffé | dem Erfolgreichen | in größter | Hochachtung | d. V. | Okt. 1913". - Bredt war seit 1904 war in der Graphischen Sammlung in München tätig, zuletzt als Hauptkonservator; daneben war er 1906-17 Dozent für Kunstgeschichte an der Kunstgewerbeschule.

13     Bronsart von Schellendorf, Hans, Komponist und Dirigent (1830-1913). 2 eigenh. Briefe mit U. Dresden und Hannover, 10. X. 1863 und 17. V I 1873. 8°. Zus. 4 Seiten. Doppelblätter.      € 200,–

An den Komponisten und Gewandhaus-Dirigenten Carl Reinecke. - I. "[...] Sie haben meiner Frau [Ingeborg] bereits einmal so gütig Ihre Stimmen zum Chopin'schen E-moll-Concert zur Disposition gestellt, daß ich in ihrem Namen keine Fehlbitte zu thun hoffe, wenn ich Ihre Liebenswürdigkeit noch einmal in Anspruch nehme. Sie spielt dieses Concert hieselbst am 20. October in meinem ersten Abonnementconcert (ich gebe bis Weihnachten einen Cyklus von 6) und ich möchte mich für die Begleitung gern Ihrer diesem Werke so sehr zum Vortheil gereichenden Aenderungen bedienen [...] Wie ich vermuthe, besitzt die Bibliothek das Gewandhauses auch Wagners Vorspiel zu den Meistersingern - wenigstens haben Sie es ja einige Zeit nach dem berüchtigen Weissheimer-Concert aufgeführt. Vielleicht wäre es Ihnen möglich, mir auch diese Partitur auf einige Zeit zu schicken - wenn Sie keine zu große Mühe dadurch haben sollten [...]" - II. "[...] Indem ich Ihnen und der geehrten Direktion des Gewandhauses meinen  aufrichtigen Dank ausspreche für die gütige Einladung zum dem Tage, an welchem mein Clavier-Concert ['Nachklänge aus der Jugendzeit'] die Ehre haben soll von Herrn von Bülow in Ihrem Abonnement-Concert vorgetragen zu werden, bedaure ich von ganzen Herzen, durch meinen Dienst verhindert zu sein. Wir haben gestern das Repertoire bis zum 8. Februar aufgestellt und es ist für den 6. Februar die erste Aufführung von Lindaus 'Maria und Magdalena' angesetzt worden, bei welcher ich von Amts wegen zugegen sein muß [...]" - Bronsart war Schüler von Franz Liszt in Weimar. Er war 1865-66 als Nachfolger Hans von Bülows Dirigent bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Berlin und seit 1867 Intendant des Kgl. Theaters in Hannover und 1887-95 Generalintendant des Hoftheaters in Weimar. - Beiliegend Bronsarts gestoch. Visitenkarte.

Musikalische Volksbildung

14     Carmen Sylva (d. i. Elisabeth Königin von Rumänien), Schriftstellerin (1843-1916). Eigenh. Brief mit U. "Elisabeth Fürstin von Rumänien". Bukarest, 20. XII. 1873. 8°. 7 Seiten. 2 Doppelblätter mit farbigem Monogramm.      € 400,–

Wohl an den Gewandhauskapellmeister Carl Reineke: "[...] Es ist schon so lange her, seit ich das Glück hatte, Sie kennen zu lernen und spielen zu hören, daß es nur zu natürlich wäre, wenn ich ganz aus Ihrem Gedächtnis verschwunden wäre. Und deshalb ist es mit einiger Zaghaftigkeit daß ich mich heute mit einer Bitte an Sie wende. Doch steht der wunderschöne Abend in Heidelberg, im Salon der heißgeliebten, unvergesslichen Großfürstin Helene so lebhaft vor meiner Seele, wo große Geister in Andacht den Klängen der lieblichen Sonate, (die wir die Frühlingssonate getauft) lauschten wo die volle, innige Stimme Ihrer lieben Frau uns so tief ergriffen, daß ich meine, ich hätte sie immer gekannt & es läge keine Zeit zwischen heute & damals. Doch liegt viel dazwischen, für mich eine ganze Welt. Ich bin auf ein reiches, weites Feld der Thätigkeit versetzt worden, auf das ich nach allen Richtungen hier gute Saat streuen möchte; und dazu möchte ich Sie bitten, mir behülflich zu sein. In musikalischer Beziehung ist hier die absolute Brache; wir besitzen zwar ein Conservatorium in der Kindheit & eine Philharmonische Gesellschaft, die alljährlich einige mittelmäßige Conzerte zu Stande bringt. Einen Chor zu bilden, ist gar nicht denkbar und diesen zu bilden, ist nun mein Bestreben. Hierzu brauchen wir vor Allem einen Lehrer und uns diesen zu empfehlen, darum bitte ich Sie. Wir möchten Jemanden haben, der, außer im Chorgesang, auch in der Komposition vollkommen bewandert ist, da ich folgenden Gedanken habe. Im Winter würde sich hoffentlich ein recht großer Singverein bilden, da diese Sache etwas ganz Neues ist & viel Stoff zu Zusammenkünften & Geselligkeit bietet, darf man auf starken Zulauf rechnen. Im Sommer aber stiebt die hiesige Gesellschaft auseinander & in dieser Zeit soll unser Lehrer den reichen, noch ganz unbekannten Schatz der höchst originellen Nationallieder sammeln & sie 2-3 stimmig setzen, damit sie auch in den Volksschulen gesungen werden; denn ich habe gesehen daß Nichts ein Volk so civilisiert & so patriotisch macht, wie seine Lieder, gemeinschaftlich gesungen [...]".

15     Carossa, Hans, Dichter und Arzt (1878-1956). Stern über der Lichtung. Neue Gedichte. Hameln, Verlag der Bücherstube Fritz Seifert, 1946. 8°. 39 S. OHlwd. (minimal gebräunt).      € 40,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 27. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Für | Isabella Jaffe | 10. 12. 1948 | Hans Carossa".

16     Carossa, Hans, Schriftsteller (1878-1956). Tag in Terracina. (Privatdruck). Hameln, C. W. Niedermeyer für die Bücherstube Fritz Seifert, ohne Jahr (1942). 8°. 24 S., 1 Bl. OPp.      € 50,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 23. - Vom Verfasser auf dem Vortitel eigenhändig signiert.

17     Defregger, Franz von, Maler (1835-1921). Eigenh. Brief mit U. München, 30. IV. 1894. 8°. 1 Seite. Doppelblatt.      € 40,–

Dank für freundliche Zeilen und Glückwünsche.

18     Dove, Alfred, Historiker und Publizist (1844-1916). Eigenh. Brief mit U. sowie eigenh. Manuskript. Ohne Ort und Jahr [vor 1865]. Gr.-8°. 1 Seite. Doppelblatt mit Adresse und Verschlußmarke. Manuskript: 4°. 2 Seiten.      € 240,–

I. An den Naturforscher Gustav Suckow (1803-1867) in Jena: "[...] Bei einer Arbeit über Temperaturverbreitung auf der Oberfläche der Erde wäre es mir sehr erwünscht, die wesentlichen Wärmemittel der einzelnen Jahrgänge zu haben, wie sie sich aus den Beobachtungen Ihres Herrn Vaters [Wilhelm Karl Friedrich Suckow] ergeben haben und welche von H. Professor Posselt berechnet worden sind. Sind diese Zahlen in Ihrem Besitz, so würden Sie mich sehr verbinden, wenn Sie mir sie gefälligst zukommen ließen oder sie Hr. Du Bois, der Ihnen diese Zeilen ja übergiebt, anzuvertrauen [...]" - II. Das Manuskript befasst sich mit derselben Thematik und protokolliert die "Sitzung der physikalischen mathematischen Klasse" einer Akademie. Dove schreibt hier in der dritten Person: "Herr Dove theilte unter Vorlegung der sich darauf beziehenden Rechnungen die Fortsetzung seiner Untersuchungen über die nicht periodischen Änderungen der Temperaturvertheilung auf der Oberfläche der Erde mit [...]" Exaktes Protokoll seiner Arbeiten in kleiner Schrift, welches am Schluß eine Tabelle mit Temperaturberechnungen für Winter und Frühling enthält. - Dove begann 1861 das Studium der Naturwissenschaften und der Medizin an der Univ. Heidelberg, wandte sich später in Berlin der Geschichte zu und wurde 1866 in diesem Fach promoviert. Später war er zunächst Redakteur und dann Professor in Breslau, Bonn und Freiburg im Breisgau.

Luxusdruck

19     Dulac, Edmund, Arabische Nächte. Erzählungen aus Tausend und Eine Nacht. Mit 50 farbigen Bildern von Edmund Dulac. Weimar, G. Kiepenheuer, ohne Jahr [1913]. 4°. Mit 50 mont. farb. Illustr. nach Edmund Dulac auf Tafeln, mit Seidenhemdchen. 2 Bl., 346 S., 3 Bl. Farb. bedrucktes und goldgepr. OPgt. mit Kopfgoldschnitt und blattvergoldeten Vorsätzen (minimal fleckig, ohne Schließen, Deckel gering aufgebogen).      € 450,–

Nr. 270 von 700 Ex. (Gesamtaufl.: 800). - Erste deutsche Ausgabe mit diesen Illustationen, enthält wie die englische Originalausgabe 50 Tafeln, spätere Ausgaben haben weniger. Gedruckt "auf Japan-Bütten in der Hof-Buch- und -Steindruckerei von Dietsch & Brückner in Weimar und von der Firma L. Sieke & Co. in Leipzig in echt Pergament gebunden." - Edmund Dulac (ursprünglich: Edmond Dulac; 1882-1953) war ein französischer Maler und Graphiker. 1905 übersiedelte er nach England und nahm 1912 die britische Staatsanghörigkeit an. Er gehörte zu den wichtigsten Künstlern der Buchillustration im sogenannten "Goldenen Zeitalter der Buchillustration". - Vgl. Kat. Köln 1670. Doderer IV, 164. - Gut erhalten. - Selten.


Bianca

Bianca Maria Sforza (Maria Blanca), Gemahlin von Maximilian I. 

 
F - H

20     Fischer, Ernst, Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933. Ein biographisches Handbuch. Mit einem Essay und 21 historischen Fotografien. Elbingen, Verband Deutscher Antiquare e.V., 2011. Gr.-8° (18 x 24 cm). Druck in Schwarz und Rot. 432 S. OLwd. mit mit Fadenheftung und zwei Lesebändchen sowie Titelschild.      € 68,–

Diese biographische Dokumentation mit mehr als 800 Artikeln, Nachwort und Registern setzt - in sorgfältiger typografischer Gestaltung - den aus Deutschland und Österreich vertriebenen Verlegern, Buchhändlern und Antiquaren ein Denkmal: Die Lebensläufe vermitteln ein lebendiges Bild der Verwerfungen in der Buchhandelsgeschichte des 20.Jahrhunderts. Darüber hinaus zeigen sie die bis in die Gegenwart nachwirkenden Leistungen dieser Emigrantengruppe für den Kulturtransfer und die internationalen Verflechtungen in der Welt des Buches. - Ernst Fischer ist Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und bekannt durch zahlreiche Publikationen zur Literatur-, Buchhandels- und Mediengeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt neben der Geschichte des Antiquariatsbuchhandels und der Bibliophilie insbesondere der Buchhandel in der Weimarer Republik und im deutschsprachigen Exil 1933 bis 1945.

21     Frank, Bruno, Schriftsteller (1887-1945). Der Schatten der Dinge. Gedichte. München, Albert Langen, 1912. 8°. 108 S., 2 Bl. OPp. (fleckig, Rücken oben mit Fehlstelle).      € 75,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 7. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers: "'Um das Gute zu lesen, ist eine Bedingung, dass man das Schlechte nicht lese; denn das Leben ist kurz, Zeit und Kräfte beschränkt.' (Schopenhauer). Herrn Heinrich Jaffé | mit herzlichen Grüssen | Dr. Bruno Frank | München, 15. Mai 1915". - Druck auf Bütten. - Vorsätze etw. braunfleckig.

22     Franzos, Karl Emil, Schriftsteller (1848-1904). Brief mit eigenh. U. Wien, 15. VI. 1886. Gr.-8°. 3 Seiten. Doppelblatt.      € 80,–

An den Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke: "[...] Wie Sie aus dem beifolgenden Prospekte der neuen Zeitschrift 'Deutsche Dichtung', die unter meiner Leitung vom Herbst d. J. ab erscheinen wird, ersehen können soll dieselbe auch in jeder Nummer die Liedcomposition eines bedeutenden Tondichters bringen, und erlaube ich mir, die Bitte an Sie zu richten, gütigst dem Kreise meiner musikalischen Mitarbeiter, für welchen ich gleichwie für den literarischen und artistischen Theil nur die vornehmsten und besten Kräfte zu gewinnen suche, beitreten zu wollen. Es ist wünschenswerth, daß die Liedcomposition den Erzeugnissen deutscher Dichter gewidmet ist: ferner schließt sich ein allzu großer Umfang des Tonstückes durch die räumliche Schranken der Zeitschrift aus [...] Wünschenswerth ist es ferner, daß wir Originale haben, welche bisher noch nicht im Kunsthandel erschienen sind [...]".

23     Franzos, Karl Emil, Schriftsteller (1848-1904). Brief mit eigenh. U. Dresden, 12. I. 1889. Gr.-8°. 1 Seite.Doppelblatt.      € 70,–

An die Autographensammlerin Elise von König-Warthausen in Stuttgart: "[...] Sie haben die Güte gehabt, meine Zeitschrift 'Deutsche Dichtung' bereits einmal durch leihweise Überlassung eines Autographs freundlichst zu fördern. Ich beabsichtige das Märzheft der Zeitschrift anläßlich des 100. Geburtstages Ernst Schulze's, des Dichters der bezauberten Rose, zu einem Ernst Schulze-Heft zu gestalten und wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich auch hiebei durch gütige leihweise Überlassung der etwa in Ihrem Besitz befindlichen Autographen des Dichters freundlich unterstützen wollten; dieselben würden selbstverständlich sofort nach genommener Einsicht wieder in Ihren Besitz gelangen [...]".

24     Früh, Johann Jacob, Geograph und Geologe (1852-1938). Eigenh. Postkarte mit U. Zürich, 12. I. 1899. 1 Seite. Mit Adresse.      € 50,–

An den Geologen Max Mühlberg in Freiburg im Breisgau, dem er u. a. Proben von Prof. Forel sendet: "[...] Letztere muß ich wieder zurück erbitten. Sie dürfen davon nichts nehmen für Einschlüsse [...]" - Früh wurde 1899 Prof. der Geographie am Zürcher Polytechnikum.

25     Genersich, Johann, Schriftsteller und Pädagoge (1761-1823). "Elisabeth, Königin von England. Eine Biographie." Manuskript. 2 Bde. Ohne Ort und Jahr. 4°. 359 S., 6 Bl. (Register); 341 S., 6 Bl. (Register). Stark läd. Kart. d. Zt.      € 580,–

Umfangreiches kompilatorisches Werk in einer Reinschrift, die vielleicht als Druckvorlage dienen sollte und von der sich nicht mit letzter Sicherheit sagen läßt, ob sie vom Autor eigenhändig oder von einem zeitgenössischen Schreiber angefertigt worden ist. - Johann Genersich ist Mitglied einer verzweigten, gelehrten und polyglotten Familie aus Käsmark (ungarisch Késmárk, slowakisch Kesmarok) im Gebiert Zips am Fuße der hohen Tatra. Nach einem Studium in Jena wurde er zunächst Professor am Lyceum seiner Heimatstadt, 1821 Prof. der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts an der protestantisch-theologischen Lehranstalt in Wien. Als vielseitiger pädagogischer und historischer Schriftsteller hat er wesentliche Verdienste; besonders verdient seine achtbändige "Geschichte der österreichischen Monarchie" (1815-17) Erwähnung. Auch als Verfasser von Jugendbüchern machte er sich einen Namen. Wurzbach (V, 134) erwähnt, daß sein Nachlaß mehrere kompilatorische, unveröffentlichte Schriften enthielt, worunter wohl auch unser Manuskript zu zählen ist. - Etw. fleckig und besonders an den unteren Ecken mit Feuchtigkeitsschaden und teilweisem Papierverlust, der den Text nicht betrifft. - Unbeschnitten.

26     Goethe-Kreis - Vulpius, Christian August, Schriftsteller (1762-1827). Eigenh. Brief mit U. Ohne Ort und Jahr [Weimar, um 1822]. 8°. 2 Seiten, Doppelblatt. Bläuliches Papier.      € 250,–

An einen Verleger, wohl Bran in Jena: "Es versteht sich, daß Sie in allem, als artis peritus, was das Druckwesen der Regenten pp [Höfe und Städte des Achtzehnten Jahrhunderts; ein geplantes Werk] betrifft, recht haben; formen Sie also alles nach Ihrem besten Wissen u. Wollen. Ich wollte in der Vorrede sagen; daß die Anmerkungen vom Herausgeber sind; Ich glaube aber, daß Sie auch besser recht haben, wenn wir ein d. H. darunter setzen. Ich habe es also gleich bei der Revision des Bogens (den ich zurücksende) gethan. Sie werden ferner recht haben, daß die Einleitung, welche ich auf die Rückseite des Columnen Titels gesetzt, vorn hin gehört u. ersuche Sie also dieses also zu besorgen. Ich glaube aber, daß alsdann, diese Einleitung wohl nicht wird mit kleineren Buchstaben zu drucken seyn. Ordnen Sie das alles bestens an. Freilich wird das Hin u. Herschicken der Revisionen aufhalten. Ich überlasse es also ganz Ihnen wie Sie es fügen wollen. Zulezt werden auch die Setzer an meine Handschrift sich gewöhnen [...]" - Kleine Klammerspur.

27     Goethe-Kreis - Vulpius, Christian August, Schriftsteller (1762-1827). Eigenh. Brief mit U. Weimar, 13. XI. 1822. 4°. 2 Seiten, Doppelblatt. Bläuliches Papier.     
          € 250,–

An einen Verleger, wohl Bran in Jena: "Da Sie [in] Jena die Schriften des Hrn. v. Pöllnitz nicht bekommen können, schike ich Sie Ihnen von hies. Bibliothek; aber ich erbitte mir darüber [...] Empfang Schein. Ich gebe es Ihnen zu überlegen. Ich schreibe ein Werk (welches auch fortlaufend, in Ihre Denkwürdigkeiten [aus der ältern und neuern Zeit] paßt,) mit dem besonderen Titel: 'Die Regenten, Höfe und Städte des Achtzehnten Jahrhunderts.' Dies Werk wird fortgesetzt. Hr. Poellnitz wird nicht allein genannt, sondern alle andern, die über so etwas geschrieben haben; u.s.w. Sie werden  sich das alles, den Umfang, u. das Erfreuliche des Ganzen denken können! - Da ich mit Ihnen zuerst darüber sprach, biete ich Ihnen auch den Verlag an. Jedoch, wollen Sie ihn nicht wagen, so habe ich im Sinne ihn Henning in Gotha zu geben, der sogleich zugreifen wird. Sie sehen, daß ich konsequent handle [...]" - Vulpius wurde durch die Vermittlung seines späteren Schwagers Goethe 1797 Bibliothekar in Weimar. - Klammer-Rostspur.

28     Goldschmit-Jentner, Rudolf (Hrsg.), Schriftsteller (1890-1964). Trost der Welt. Eine Sammlung deutscher Lyrik aus fünf Jahrhunderten. Hamburg, Christian Wegner, ohne Jahr [1948]. 8°. 347 S. OHlwd. (leicht fleckig und bestoßen).      € 40,–

Erste Ausgabe. - Kosch 583. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Fräulein | Isabella Jaffe | mit herzlichem Dank | für Mitarbeit an der | Neuauflage | Rudolf K. Goldschmit-Jentner | 5. Nov. 1948".

29     Graf, Oskar Maria, Schriftsteller (1894-1967). Bolwieser. Roman eines Ehemannes. München, Drei Masken Verlag, 1931. 8°. 359 S. OKart. ohne den Umschlag.      € 100,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 22. - Vortitel mit eigenh. Bleistift-Widmung und U. des Verfassers: "Der lieben Frau | Jaffe | recht herzlich | Oskar M. Graf". - Bindung gelockert.

30     Hauptmann, Carl, Dichter (1858-1921). Der schwingende Felsen von Tandil. Legende. Hannover, Paul Steegemann, 1919. 4°. 20 S., 1 Bl. OHpgt. mit goldgepr. Rtit. (minimal fleckig und bestoßen).      € 80,–

Erste Ausgabe. - [Die Silbergäule, Nr. 23/24]. - Nr. 72 von 100 Ex. der Vozugsausgabe; im Impressum vom Verfasser signiert "Carl Hauptmann". - Meyer 8. Raabe 163.23/24. Wilpert-G. 51. - Die Vorzugsausgabe hat keinen illustrierten Umschlag. - Wohlerhalten.

31     Hausenstein, Wilhelm, Schriftsteller (1882-1957). Die großen Utopisten. (Fourier - Saint Simon - Owen). Berlin, Paul Singer, 1912. 8°. 66 S, 1 Bl. OKart.     
          € 100,–

Erste Ausgabe. - Titel mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers an Johannes Timm "Seinem verehrten Parteigenossen | Johannes Timm freundschaftlich | zugeeignet! | Mai 1912 Hausenstein." - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern.

32     Heine, Thomas Theodor, Maler und Zeichner (1867-1948). Eigenh. kolor. Tuschfederzeichnung mit Monogramm, eigenh. Grußwort und U. "Th. Th. Heine". O. O. und Jahr [München, 1919]. 14,5 x 11,5 cm. Auf Kartonblatt aufgelegt und unter Glas gerahmt.      € 980,–

Die mit dem berühmten "TTH"-Monogramm versehene, grün und in Rottönen kolorierte Federzeichnung zeigt einen neugeborenen Knaben im Profil nach links, der seine eigene durchtrennte Nabelschnur erstaunt betrachtet. Er trägt auf dem Kopf eine rote phrygische Mütze und sitzt in einer überdimensionierten Rosenblüte. - Am linken Bildrand die eigenh. Beschriftung in Tusche: "Herzlichen Glückwunsch zur Geburt des Revolutionskindes sendet Familie Th. Th. Heine." - Die Datierung ergibt sich aus der Erwähnung der Revolution 1919 in München. - Freundliche Mitteilung von Professor Thomas Raff, München: "Gratulationszeichnungen zu Geburten bei Freunden und Bekannten gibt es öfter bei Heine. Das Motiv vom Säugling in der Rose habe ich schon einige Male gesehen. Es war für den berühmten Zeichner wohl eine elegante Lösung: Er musste nicht allzu viel nachdenken, und die Eltern des Neugeborenen hatten einen 'Original-Heine' - so war allen gedient". - Gut erhalten.

33     Heiseler, Bernt von, Schriftsteller (1907-1969). Apollonia. Erzählung. Mit einem Nachwort von Otto Heuschele. Stuttgart, Reclam, 1950. Kl.-8°. 52 S. OKart.      € 40,–

Titelblatt am Oberrand mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers: "Herrn und Frau Jaffe, zur Erinnerung | und mit herzlichen Grüßen! Gertrud und | Bernt Heiseler".

"Ohne mich"

34     Heißenbüttel, Helmut, Schriftsteller (1921-1996). Masch. Brief mit eigenh. U. Stuttgart, 30. III. 1972. Fol. 1 Seite. Gelocht.      € 120,–

An den Kulturredakteur der "Welt", Thomas Kielinger: "[...] vielen Dank für Ihren Brief und Ihr Angebot. Sie wissen, daß ich in einer bestimmten Periode der 'Welt der Literatur' Mitarbeiter im Feuilleton der 'Welt' war. Diese Mitarbeit endete, weil mir in einem bestimmten Fall vorgeschrieben wurde, was ich positiv oder
negativ zu beurteilen habe. Da sich in diesem Punkt [...] nichts geändert hat, vielmehr, wie ich der täglichen aufmerksamen Lektüre entnehme, alles eingeengt und verhärtet hat, wäre es inkonsequent, würde ich Ihnen jetzt eine Zusage für eine Mitarbeit geben. Mit dem Weggang von Hufen, Nolte und Leier und der Bestallung von Günter Zehm als Feuillletonchef ist meiner Ansicht nach auch das Feuilleton zum Instrument eines politischen Kampfblattes geworden. Ohne mich [..]".

35     Henckell, Karl, Schriftsteller (1864-1929). Neues Leben. Dichtungen (1899-1900). Bildschmuck von Fidus. Zürich, Verlag von Karl Henckell u. Co., 1900. 8°. Mit einigen Vignetten und Kopfleisten von Fidus. 148 S. Illustr. OKart.      € 100,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 18. - Der erste Zwischentitel mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers an Johannes Timm: "S/l. Johannes Timm | herzlich | Weihnachten 1917 Karl Henckell. | Bald sind es zwanzig Jahre, | Seit ich dies Buch geschrieben - |  Inzwischen läßt man Haare ... | Wenn nur das Herz, Johannes, jung geblieben!" - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern. - Unbeschnitten.

36     Henckell, Karl, Schriftsteller (1864-1929). Gipfel und Gründe. Neue Gedichte (1901-1904). Leipzig, Verlag von K. Henckell & Co., 1904. 8°. 175 S. Illustr OKart. nach Fidus.      € 100,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 22 (falsche Verlagsangabe). - Vortitel mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers an Johannes Timm "Seinem lieben und | verehrten |  Johannes Timm | mit herzlichem Gruß | zum 50. Geburtstage | München | am 13. April 1916 Karl Henckell." - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern. - Unbeschnitten.

37     Hettner Hermann, Literaturhistoriker (1821-1882). Eigenh. Schriftstück mit U. Ohne Ort (Dresden), 6. VIII 1859. 8 x 12 cm.      € 60,–

Geburtsanzeige seines Sohnes Alfred: "Die heut erfolgte glückliche Entbindung meiner lieben Frau von einem gesunden Knaben beehre ich mich ergebenst anzuzeigen [...]" - Beilage.

38     Heubner - Musset, Alfred de, Tizianello. Eine Novelle. Ins Deutsche übertragen von Victor Schuler. München, Rösl & Cie., 1920. 4°. Mit 6 Original-Radierungen von F. Heubner. 2 Bl., 54 S., 1 Bl. OHldr. (Rücken stärker lädiert).     
          € 50,–

Nr. 174 von 500 Ex. (Gesamtaufl. 540). - Innengelenke gelockert.

39     Hildach, Eugen, Komponist und Sänger (1849-1924). Eigenh. Brief mit U. Dresden, 15. V. 1888. 8°. 3 Seiten. Doppelblatt.      € 80,–

An eine Dame mit Dank für eine Zeichnung: "[...] Ich weiss sehr wohl wie schwer man sich entschliesst Schriftzüge oder Arbeiten welche von einem geliebten Todten herrühren fortzugeben, insbesondere wenn derselbe ein so grosser Künstler war wie Ihr verstorbener Gemahl [...]" - Hildach erhielt 1880 einen Ruf an das Dresdner Konservatorium und eröffnete 1904 in Frankfurt/Main eine Gesangsschule.

40     Hofmann, August Wilhelm von, Chemiker (1818-1892). Gedrucktes Schriftstück mit eigenh. U. Berlin, 26. II. 1872. Gr.-4°. 1 Seite.      € 150,–

Ernennung des "Dr. Heintze, Assistent am Hütten-Laboratorium in Freiberg" zum auswärtigen Mitgliede der "Deutschen chemische Gesellschaft zu Berlin". - Hofmann unterzeichnet als Präsident; mitunterzeichnet von den Sekretären Karl Alexander von Martius (1838-1920) und Hermann Wichelhaus (1842-1927). - Hofmann gründete 1867 die Deutsche Chemische Gesellschaft in Berlin, deren erster Präsident er war. - Knickfalte; rechts unten Eckfehlstelle.

41     Hosemann, Theodor, Graphiker und Illustrator (1807-1875). 5 Probedrucke vor der Schrift, jeweils mit einem eigenh. Gedicht (4 Zeilen) und Überschrift (Bleistift). Ohne Ort und Jahr (Berlin 1874). Gr.-8°. 5 Seiten auf 5 Blättern.      € 500,–

Fünf Probedrucke von Originallithographien (eigenh. numeriert mit 1, 2, 9, 10, 12) zu den beiden Erzählungen von Rosalie Koch "Spiel und Arbeit" (Hobrecker 390) und "Die Kinderzeit" (Hobrecker 393), beide 1875 bzw. 1876 in Berlin bei Winckelmann erschienen. Die Blätter mit den Titeln "Weihnacht", "Spielen", "Botanik", Turnen" und "Ferienreise" in Abzügen vor der Schrift, regliert und jeweils von Hosemann mit  launigen Vierzeilern versehen, die in den Buchausgaben allerdings keine Verwendung gefunden haben. - Aus der berühmten Sammlung Eisenmann (vgl.: Die Sammlung des Herrn Generalkonsul [Felix] Eisenmann [...] das fast vollständig graphische Werk von Daniel Chodowiecki und Theodor Hosemann mit vielen frühesten Zustandsdrucken, Probedrucken und zahlreichen Handzeichnungen [...] Auktion 80. Berlin, Paul Graupe, 8.-10. Okt. 1928]. - Gut erhalten. - Mit altem Sammlungsumschlag.


Vulpius

Christian August Vulpius, Eigenh. Brief mit Unterschrift 

 
J - L

42     Jens, Walter, Schriftsteller und Kritiker (geb. 1923). Eigenh. Typoskript mit Korrekturen, Widmung und U. am Kopf. Ohne Ort und Jahr [Tübingen, ca. 1980]. Fol. 2 Seiten auf 2 Blättern.      € 150,–

Schönes Manuskript zu einer der berühmten Fernsehkritiken, die Jens unter dem Pseudonym "Momos" in der ZEIT veröffentlichte. 1980 strahlte das ZDF eine fünfteilige Reihe "Abgeordnete - Szenen deutscher Politik" aus: "[...] Von Hans Heigert kenntnis- und aspektreich moderiert, gewinnen die unblutigen Schlachten endlich etwas von jener Dramatik, die in Geschichtsbüchern bisher für Leuthen und Verdun reserviert war [...]" Über die Reden Bülows und Bismarcks und deren Darstellung in der Sendung. - Korrekturen in Kugelschreiber, blauem und schwarzem Filzschreiber. - Widmung für Gertrud Reiter.

43     Jókai, Mór (Moriz, Maurus) von, Schriftsteller (1825-1904). Eigenh. Manuskript mit U. Wien, Juli 1889. 4°. 4 Seiten auf 4 Blättern.      € 240,–

Grabrede für den am 3. Juli 1889 verstorbenen Schriftsteller Josef Weil Ritter von Weilen (1828-1889): "[...] Es sei mir gestattet als Vertreter des ungarischen Schriftsteller- und Künstlervereins, über dem Grabe des Verewigten einen Nachhall ertönen zu lassen - gebrochene Worte aus gebrochenem Herzen. Auch ich fühle den schweren Verlust wobei das Herz und der Verstand das Vorrecht des Schmerzens einander streitig machen. Als Freund habe ich ihn geliebt; als Dichter bewundert; als Charakter hochgeachtet; - als College war er mir unzertrennlich [...] Deine Asche gehört bereits der heimatlichen Erde Oesterreichs, das Du zu verherrlichen strebtest; dein Geist gehört aber uns allen; gehört dem Himmel, wo wir uns alle zu versammeln hoffen! [...]" Mit einigen Korrekturen. - Jókai verfasste vor allem historische Romane und galt als liberaler ungarischer Patriot, er war nach 1897 Mitglied des ungarischen Parlaments und er gab das Satire- und Witzblatt "Az Üstökös" heraus. Von hm stammt die Vorlage zu Johann Strauß "Zigeunerbaron".

44     Jünger, Ernst, Schriftsteller (1895-1998). Eigenh. Postkarte mit U. Wilflingen über Riedlingen, 31. I. 1971. 1 Seite. Mit Adresse.      € 150,–

An den Antiquar Rolf Schwing (1940-2010) in Heidelberg: "[...] Besten Dank für Ihre Anfrage. Ich glaube kaum, dass sich eine Besichtigung lohnen würde, denn die Bücher, die ich ausmustere, haben kaum bibliophilen Wert. Es sind meist Editionen des 19. und 20. Jahrhunderts, von denen ich weiss, dass ich sie nicht mehr aufschlage [...]".

45     Kassner, Rudolf, Schriftsteller (1873-1959). Die Moral der Musik. Sechs Briefe des Joachim Fortunatus an irgend einen Musiker, nebst einem Vorspiel: Joachim Fortunatus' Gewohnheiten und Redensarten. München, Bruckmann, 1905. Kl.-4°. 3 Bl., XLIV, 210 S., 1 Bl. Schwarzes OSaffian mit goldgepr. Deckel- und Rtit. sowie Kopfgoldschnitt (Rücken verblaßt, etw. bestoßen).      € 120,–

Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 8. - Eine überarb. Neuauflage erschien1912 im Insel Verlag. - Vorsatzblatt rückseitig mit (eigenh.?) Widmung "To Tommy with the best wishes from the inhabitants of the Hügelgasse. Xmas 1906." - Stellenw. minimal fleckig.

46     Keil, Ernst, Verleger der "Gartenlaube" (1816-1878). Brief mit eigenh. U. Leipzig, 11. III. 1868. Gr.-8°. 2 Seiten. Doppelblatt. Geprägter Briefkopf.      € 100,–

An C. Müller in Hamm, dem er die "nötige Autorisation zu der Veröffentlichung Ihrer Zeichnung" erteilt, eine ähnliche Zeichnung sei aber bereits 1864 in der "Gartenlaube" erschienen.

47     Keller, Gisela, Sängerin (Daten nicht ermittelt). Eigenh. Brief mit U. Frankfurt am Main, 12. I. 1889. 8°. 4 Seiten.      € 100,–

An den Musikdirektor Georg Hendrik Witte in Essen: "[...] Ich konnte Ihnen nicht umgehend schreiben weil ich noch wegen eines Datums um die Zeit Ihres Conzertes in Verhandlung war und auch war dieser Tage so viel Unruhe durch die Anwesenheit Brahms mit dem wir gestern die Zigeunerlieder gesungen haben. Jetzt also nehmen sie meine Zusage unter den von Ihnen angegebenen Bedingungen. Vielleicht findet sich noch was in der Umgebung - Vielleicht hören Sie etwas. Agent habe ich nicht, aber trotzdem noch nicht aufgehört zu singen. Ich würde am liebsten die Rhapsodie singen. Die Hauptprobe ist wohl am Tage vorher. Besitzt Ihr Verein die Chor- u. Orchesterstimmen zur Rhapsodie [...]".

48     Klöden, Karl Friedrich von, Pädagoge, Naturwissenschaftler und Freimaurer (1786-1856). Eigenh. Brief mit U. Potsdam, 19. IV. 1820. 4°. 1 Seite.      € 180,–

Buchbestellung: "Ew. Wohlgeboren sage ich für die mir gegebene Nachricht, die pädag. Bibliothek von Guthsmuths betreffend den besten Dank, und ersuche Sie, da das Werk über mein Erwarten voluminös und theuer ist, es nicht kommen zu lassen, da ich dadurch weit über den zur Anschaffung von Büchern bestimmten Etat schreiten würde. Von den übrigen bestellten Sachen haben sie wohl die Güte, mir das in der Reimerschen Buchhandl. erschienene Werk über den Choralgesang [von Peter Mortimer], sobald es heraus ist, zu übersenden. Ausserdem bitte ich um Übersendung des zweiten Theiles von Denzels Einleitung in die Elementar-Schulkunde [...]" - Klöden wurde 1817 zum Direktor des neugegründeten Lehrerseminars in Potsdam berufen und übernahm 1827 die Leitung der ebenfalls neuen Gewerbeschule in Berlin.

49     Kölwel, Gottfried, Schriftsteller (1889-1958). Der tödliche Sommer. Ein Buch von Liebe, Tod und Leben. Berlin, Frundsberg-Verlag, 1931. 8°. 167 S. OLwd. (etw. fleckig).      € 40,–

Erste Ausgabe. - Kosch 78. - Vortitel rückseitig mit eigenh. Bleistift-Widmung und U. des Verfassers " Frl. Disterer | herzlich zugeeignet. | Kölwel Gottfr.".

50     Kokoschka, Oskar, Maler (1886-1980). Eigenh. Albumblatt mit U. sowie Porträtpostkarte mit eigenh. U. am Bildrand. Montreux, 11. XI. 1957 und 5. VI. 1970. Verschied. Formate. Zus ca. 2 Seiten. Mit Umschlag.      € 240,–

I. "Ich liebe Euer Orchester, jedes Glied und das Herz seit unsern Londoner Tagen, wann ich Euch, liebe Künstler zum ersten Mal im Radio hörte. Dank OKokoschka." Auf demselben Blatt Dankeswort von Olda Kokoschka (1915-2004). - Auf Kartonblatt montiert; knapp beschnitten. - II: Original- Porträtphotographie von G. Fehr, Territet.

51     Kolbe, Georg, Bildhauer und Graphiker (1877-1947). Eigenh. Bildpostkarte mit U. Berlin, 25. III. 1934. 1 Seite.      € 100,–

An den Maler Alexej von Jawlensky (1864-1941) mit Grüssen zu dessen 70. Geburtstag, der nach gregorianischem Kalender auf den 25. März fiel. - Die Bildseite mit einer Plastik Kolbes.

52     Kortum, Benjamin Karl Gottfried, Theologe (Daten nicht ermittelt). Eigenh. Brief mit U. Hakeborn bei Magdeburg, 18. V. 1810. 4°. 1 Seite. Mit rückseitiger Adresse.      € 80,–

An die Buchhandlung Heinrichshofen in Magdeburg, bei der er 4 Exemplare seiner "Neuen Confirmationsreden" sowie ein Lexikon bestellt und auf zu erwartende Anzeigen in Zeitungen eingeht. - Kortum war Prediger in Hakeborn.

53     Kuehl, Gotthard, Maler (1850-1915). Eigenh. Postkarte mit U. Dresden, 30. III. 1897. 1 Seite. Mit ADresse.      € 40,–

An den Redakteur Kohut ("Die Gegenwart") als Antwort auf eine Rundfrage zum Zeichnen nach Gipsmodellen: "Selbstverständlich. - u. für Schüler die nöthige Vorbereitung für das Zeichnen nach d. Leben [...]" - Kuehl war 1892 Mitbegründer der Münchner Sezession. Später ersetzte 1897 die überkommenen Dresdner Akademieausstellungen durch große internationale Kunstausstellungen, die den Impressionismus in Sachsen bekannt machten.

54     Lange, Heinrich, Schriftsteller, Handwerker, Politiker (1861-ca. 1939). Aus einer alten Handwerksburschen-Mappe. Eine Geschichte von Heimat, Werden und Wirken. Leipzig, Quelle & Meyer, ohne Jahr (1925). 8°. Mit Porträt und 4 Faksimiles. 208 S., 4 Bl. Illustr. OLwd.      € 60,–

Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung (Gedicht, 12 Zeilen) und U. des Schriftstellers Karl Henckell (1864-1929) an Johannes Timm. - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern.

Mit Widmung

55     Lassalle, Ferdinand, Publizist und Politiker (1825-1864). Die Feste, die Presse und der Frankfurter Abgeordnetentag. Drei Symptome des öffentlichen Geistes. Eine Rede gehalten in den Versammlungen des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins zu Barmen, Solingen und Düsseldorf. Düsseldorf, Schaub'sche Buchhandlung (W. Nädelen), 1863. 8°. 38 S. Heftstreifen. In mod Lwd.-Kassette.      € 1.200,–

Erste Ausgabe. - Stammhammer I, 127, 16. Slg. Borst 2870. - "In Barmen, Solingen und Düsseldorf hielt er Ende September 1863 eine Brandrede [...] Sein Hauptangriff galt der Presse, die der Hauptfeind der Entwickelung des deutschen Geistes und des deutschen Volksthums sei. Sie sei verlogen, corrupt und feige [...] In Solingen kam es zu einem Auflauf, die Versammlung wurde vom Bürgermeister geschlossen, Lassalle beschwerte sich direct beim Ministerpräsidenten Bismarck, allein die Behörde bestätigte hinterher den Auflösungsbefehl und gegen die Rede selbst wurde sofort vom Staatsanwalt die Anklage erhoben." (ADB XVII). - Titelblatt am Oberrand mit (hinterlegter) eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Sr. Exc. dem Hrn. Minister Baron von Schrenkh verehrungsvoll | FL." Für den bayerischen Politiker Karl von Schrenck-Notzing (1806-1884). Schrenck wurde 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, war von 1850-59 sowie 1864-66 bayerischer Bundestagsgesandter und von 1859-64 Staatsminister des Äußeren, des Handels und der öffentlichen Arbeiten sowie Vorsitzender im Ministerrat. - Unbeschnitten. - Sehr selten.

Hauptwerk mit Widmung

56     Lassalle, Ferdinand, Publizist und Politiker (1825-1864). Herr Bastiat-Schulze von Delitzsch, der ökonomische Julian oder: Capital und Arbeit. Berlin, Reinhold Schlingmann, 1864. 8°. X, 269 S. OKart. (minimal fleckig) in mod Lwd.-Kassette.     
          € 1.200,–

Erste Ausgabe. - Stammhammer I, 126, 10. Andreas A 87. Einaudi 3226. Slg. Borst 2911. - Lassalles ökonomisches Hauptwerk wurde als Gegenschrift zu Hermann Schulze-Delitzschs (1808-1883) "Capitel zu einem deutschen Arbeiter-Katechismus" verfasst. - Umschlag am Oberrand mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Sr. Excellenz, dem Hrn. Minister Baron von Schrenk verehrungsvoll | FL." Für den bayerischen Politiker Karl von Schrenck-Notzing (1806-1884). Schrenck wurde 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, war von 1850-59 sowie 1864-66 bayerischer Bundestagsgesandter und von 1859-64 Staatsminister des Äußeren, des Handels und der öffentlichen Arbeiten sowie Vorsitzender im Ministerrat. - Im Frühjahr 1864 mußte sich Lassalle in einem Hochverratsprozeß verantworten. - Unbeschnitten.

57     Lehmann, Alfred, Schriftsteller (1891-1955). Unsterblicher Zirkus. Manegegeschichte und Manegegeschichten. Leipzig, Max Möhring, 1939. 8°. Mit 32 Abb. im Text und auf Tafeln. 104 S. OLwd. mit Schutzumschlag (dieser mit Randeinrissen).      € 50,–

Erste Ausgabe. - Kosch 1111. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung des Verfassers "S. lb. Ernst Jaffe | zur Erinnerung an | frohe Studienjahre! | Leipzig, Januar 1948. | Der Verfasser". - Gering braunfleckig.

58     Lehmann, Alfred, Schriftsteller (1891-1955). Kleine Völkerschau. 1.-10. Tsd. Leipzig, Ernst Wunderlich, 1954. 8°. Mit zahlr. Abb. 100 S. OHlwd. mit läd. Schutzumschlag.      € 40,–

Erste Ausgabe. - Kosch 1111. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Seinem lieben Ernst [Jaffe] | in alter Treue! | Leipzig, Neujahr 1955. | Alfred Lehmann". - Knickfalte.

59     Lomler, Friedrich Wilhelm, Theologe und Schriftsteller (1774-1845). Eigenh. Brief mit U. Saalfeld, 2. XI. 1833. Gr.-4°. 1 Seite.      € 180,–

An Heinrichshofen in Magdeburg: "Es hat mir lange Zeit nichts so viel Freude gemacht, als Ihr in der That köstliches Geschenk, bestehend aus dem Magazin von Casual  [besonders kleineren geistlichen Amtsreden; 1829-42 ...] Ihr Magazin ist ein höchst werthvolles Werk, das jeder Theologe besitzen sollte. Ich werde alles thun, damit es wenigstens in meinem Umkreise  immer bekannter werde. Daher schätze ich mir es für eine wahre Ehre und Auszeichnung, daß Sie einige Arbeiten von mir darinnen zu haben wünschen. Ich sende Ihnen davon 3 [...]" - Lomler wurde 1829 Superintendent und Hofprediger in Saalfeld.


Tucholsky

Kurt Tucholsky, Masch. Postkarte mit eigenh. Unterschrift 

 
M - R

60     Mataja, Emilie (Pseud. Emil Marriot), Schriftstellerin (1855-1938). Eigenh. Brief mit U. sowie eigenh. beschriftete Visitenkarte. Wien, 20. I. 1894 und 1. IV. 1899. Verschied. Formate. Zus. ca. 3 Seiten.      € 75,–

I. An einen Professor mit Bleistift: "[...] Ich habe einige Kürzungen vorgenommen - mehr zu thun hielt ich im Interesse der Arbeit nicht für zweckmäßig - und hoffe, dass ich den Wünschen von Ihnen gerecht geworden bin. Bei gef. Zusendung der Korrektur bitte ich auch um Beischliessung des Manuscripts [...]" - II. Dankt Marie Lang für Zusendung der "Dokumente" und verspricht einen Beitrag. - Mataja wurde von Paul Heyse und Leopold von Sacher-Masoch gefördert. Seit 1878 arbeitete sie für das Feuilleton der "Wiener Allgemeinen Zeitung".

Von größter Seltenheit

61     Maximilian I. - Sforza, Bianca Maria (Maria Blanca), Gemahlin von Maximilian I., seit 1508 Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches (1472-1510). Schriftstück mit eigenh. U. "Blanca Ma manu propria". Innsbruck, 6. III. 1506. Qu.-4°. 1 Seite.      € 2.400,–

Achtzeilige Anweisung an Ulrich Moringer, der Hausfrau des Seidenmachers Konrad Stumpf wöchentlich einen Gulden rheinisch zu zahlen. In deutscher Kanzleischrift von der Hand eines Sekretärs, darunter in lateinischer Schrift und schwärzerer Tinte "Blanca Ma manu propria". - Bianca Maria Sforza war die zweite Gemahlin des deutschen Königs Maximilian I. (1459-1519). Damit war sie ab 1494 deutsche Königin und Erzherzogin von Österreich und seit 1508 Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Maximilian hatte sie wegen ihrer Mitgift geheiratet, vernachlässigte sie aber ansonsten. Sie lebte meist in Innsbruck. Eine Bronzestatue in der Hofkirche zu Innsbruck erinnert an Bianca Maria. Sie wurde in der Fürstengruft des Zisterzienserstiftes Stams im Inntal westlich von Innsbruck beigesetzt. - Faltspuren leicht gebräunt, sonst wohlerhalten. - Extrem selten.

Von größter Seltenheit

62     Maximilian I. - Treitzsaurwein, Marx, Geheimsekretär Kaiser Maximilians I. (um 1450-1527). Eigenh. Brief mit U. Mullein (d. i. Mühlau?), 24. VIII. 1515. 4° (24 x 22 cm). 1 Seite. Mit rückseitiger Adresse und Siegelrest.      € 1.800,–

Möglicherweise an den Kanzler Zyprian von Srenntain wegen eines Wappens für Hans Zelmair: "[...] Genediger Herr Canntzler, mein genediger Herr Hertzog Erich von Brawnnsweig hat in der nechst verschinen Vaßnacht der Kay. Mst. das hierinnen ligend Wappen furpracht, darauf mir Ir Mst. bevollen, dasselb Wappen E. Gn. zu anntwurten, das also zu ferttigen; demnach ich dasselb Wappen in E. Gn. Canntzley anntwurten hab lassen, auch E. Gn. muntlich davon gesagt hab und mich bedunckht, solchs sey zu Insprugg beschehen. Nun zaigt mir der Jungkher an, wie E. Gn. solchs meins Ansagen in Vergessen kumen sey, darauf ich dan E. Gn. die Underricht thue, dass Kay. Mst. solich Wappen auf Hertzog Erichs von Brawnsweig vleissig Ersuechen verwilligt und mir den obgemelten Bevelh thet. Darinn sich dann E. Gn. auf solich mein Underricht wol waiß zu halten, damit thue ich mich E. Gn. als meim genedigen Herrn bevelhen. Datum zu Mullein an sand Bartholmen Anno etc. xv.| E. G. williger Diener | Marx Treitzsaurwein | und das Wappen gehört zu aim haist Hans Zelmair." - Marx Treitzsaurwein war Geheimschreiber Kaiser Maximilians I. und nach dessen Tod Rat Karls V. und zuletzt Kanzler von Niederösterreich. Treitzsaurwein gilt neben Melchior Pfinzing als Mitverfasser und Redakteur von dem Kaiser zugeschriebenen literarischen Werken, insbesondere des "Weißkunig" und des "Theuerdank". - Minimal fleckig. - Von größter Seltenheit.

Armer Gewandhaus-Musiker

63     Mendelssohn Bartholdy, Felix, Komponist (1809-1847). Eigenh. Brief mit U. "Felix Mendelssohn Bartholdy". Leipzig, 12. III. 1847. 4°. 1 Seite. Doppelblatt mit Adresse und Siegelabschlag "FMB".      € 4.400,–

An den Juristen und Ratsherrn Heinrich Dörrien (1786-1858) in Leipzig, der als Kommitteemitglied die Gewandhauskonzerte auch finanziell unterstützte: "[...] So gern ich die mir übersandten 5 rth. an Herrn Weissenborn geben möchte, so kann ich es nicht, da Sie ausdrücklich bemerken, daß dieselben zur Bezahlung seines Substituten bestimmt sein sollen, und da ich diese Angelegenheit schon damals besorgt und beendigt habe. Da aber bei einer so schlimmen Krankheit, wie die von der der arme Weissenborn befallen ist, sich Sorgen mancherlei Art einstellen müssen, wie Sie wohl denken können, so schicke ich heut ein Schreiben an die Mitglieder der [Gewandhaus-] Concert-Direktion, worin ich dieselben um einen Beitrag zur Unterstützung dieses braven Musikers bitte, und wenn Sie Ihre Gabe zu diesem Zwecke anwenden wollen so werden Sie gewiß ein gutes Werk thun, und ihn zu aufrichtigem Dank verpflichten [...]" - Etwa acht Monate vor Mendelssohns Tod geschrieben. Der Fagottist und Kopist Friedrich Louis Weissenborn (1815-1862) arbeitete in beiden Funktionen für Mendelssohn, wie das Werkverzeichnis von Wehner aufzeigt. - Etwas gebräunt. Knickfalteneinrisse restauratorisch hinterlegt.

64     Menzel, Adolph von, Maler (1815-1905). Eigenh. Schriftstück mit U. sowie Kabinett-Porträtphotographie. Berlin, 27. XII. 1901. 11 x 4 bzw. 17 x 11 cm.     
          € 220,–

I. Zahlscheinabschnitt mit Poststempel Berlin, 2. I. 1902 und eigenh. Beschriftung "Prof. Dr. v. Menzel | B. Sigismund Str. 3 | 100 [Mark] | 27 Decemb. 1901." - Rückseitig ebenfalls eigenhändig "Beide Sorten obgleich ziemlich verschieden, doch auch die andere gut." - Empfängervermerke. - II. Original-Porträtphotographie (Adolf Halwas, Hofphotograph, Berlin Friedrich-Str. 185). - Ausdrucksvolles Porträt in Brauntönen, leicht retuschiert. - Dekoratives Ensemble.

65     Naprawnik (Nápravník), Eduard, Komponist und Dirigent (1839-1916). Eigenh. Brief mit U. St. Petersburg, 8./20. IX. 1884. Gr.-8°. 2 Seiten. Doppelblatt.     
          € 220,–

An den Komponisten Carl Reinecke: "[...] Ihnen herzlich dankend für die Freundlichkeit, mit der Sie die Widmung meiner Clavierstücke entgegen nahmen, bin ich so frei, Ihnen hierbei ein Exemplar derselben zu überreichen, und wünsche, daß sie Ihnen gefallen. Jeder Künstler - namentlich dort, wo er unbekannt - bedarf der Unterstützung und wenn er auch stets sein Bestes zu bieten sucht, so wird er doch vom Publikum nicht immer verstanden; nehmen Sie daher Hochgeehrter Herr nochmals meinen innigsten Dank für Ihr freundliches Entgegenkommen. Vielleicht sehen Sie sich auch einmal mein Clavierquartett an, welches ich zu den besseren meiner Werke zähle [...]" - Naprawnik studierte und unterrichtete in Prag. 1862 wurde er Kapellmeister der Kaiserlichen Oper in Sankt Petersburg; in dieser Eigenschaft leitete er die Uraufführung der Oper "Boris Godunow". Daneben leitete er von 1869 bis 1881 die Sinfoniekonzerte der Kaiserlich Russischen Musikgesellschaft und dirigierte am Mariinski-Theater. Er komponierte vier Opern, vier Sinfonien, ein Klavierkonzert, kammermusikalische Werke, Klavierstücke, Chorwerke und Lieder.

66     Notariatsinstrument. Lateinische Urkunde auf Papier. Ohne Ort, 29. III. 1452. 18 x 30 cm. Mit schönem Notariatshandzeichen.      € 580,–

Hübsche und typische Papierurkunde in lateinischer Sprache und Minuskelschrift. Es handelt sich um eine imbreviatura eines Notars namens Iohannes aus dem Jahr 1452, der wahrscheinlich in der Diözese von Aix-en-Provence tätig war. Die Urkunde handelt von der Ernennung eines procurator. Es wird ein vir nobilis namens Julian aus dem Ort Insula Martici (Martigues) und ein Anthonius Forcalquerii de Aquae (Aix) zitiert. Übersetzung: "Es wird hiermit allen verkündet, dass im Jahr des Herrn 1452, am 29. März, der weise Edelmann Julianus de Acculea, Bewohner der villa Insule Martici [Martigues], der Diözese von Aix-en-Provence [Azelarensis] zugehörig, freiwillig den bisherigen Bevollmächtigten kündigte. Er ernannte als seinen legitimen Bevollmächtigten und Verwalter seiner Angelegenheiten Antonio Forcalqueri von Aix [Aquae], Bewohner der eben genannten villa Insule Martici [Martigues]. Dieser nahm unentgeltlich die Last dieser Vollmacht auf, um im Namen des besagten Julianus dessen Schulden, Kredite und Rechte, die er zurzeit in der ganzen Provinz und darüberhinaus hat, einzutreiben und dies zu belegen. Er sollte mit dieser Erlaubnis in seinem Namen zu handeln in jedwedem kirchlichen oder zivilen Tribunal den libellum oder die libelli verteidigen. Der Notar Johannes, Beauftragter der apostolischen Autorität, extrahierte dieses Zeugnis aus einem instrumento, er schrieb es und unterzeichnete in fede mit dem signum, das er normalerweis für seine öffentlichen instrumenta benutzt.".

67     Piatti, Alfredo, Cellist und Komponist (1822-1901). Eigenh. Brief mit U. London, 28. IV. 1869. 8°. 1 Seite. Doppelblatt.      € 180,–

An den Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke wegen einer Einladung zum Essen und zur Probe eines Cellokonzerts (wohl Reineckes op. 82 von 1866): "[...] Voudriez-vous venir dimanche prochain prendre un mauvais diner avec nous, et apres nous pourrions essayer votre Concert? J'espère que vous serez libre. Nous dinerons à 4 heures, et si vous avez à faire le soir vous partirez quand vous voudrez [...]" - Der berühmte Cellovirtuose Piatti lebte als Solist der Italienischen Oper meist in London.

68     Popper, David, Cellist und Komponist (1843-1913). Eigenh. Albumblatt mit U. Lugos (Rumänien), 5. IV. 1886. Kl.-8°. 1 Seite.      € 100,–

An einen Richard [Nachname ausraduert]: "Meinem lieben jungen Freunde mit der glänzenden Zukunft von seinem alten Collegen D. Popper."  - Auf demselben Blatt die Unterschrift des glänzenden Pianisten Alfred Reisenauer (1863-1907).

69     Ribbeck, Konrad Gottlieb, Theologe (1759-1826). Eigenh. Schriftstück mit U. Margrafpieske (Brandenburg), 28. XII. 1803. Gr.-Fol. 1 Seite. Mit rotem Lacksiegel.     
          € 150,–

Taufurkunde: "Am Sechszehnten (16.) Juny Abends um 6 Uhr des Eintausendachthundert und Zweiten (1802.) Jahres wurde zu Briesen des Colonisten Michael Schultze Tochter Dorothea Elisabeth Schultze von einem unehl. Sohne entbunden, welcher am zwanzigsten (20.) in der Taufe die Namen Carl Friedrich empfing [...]" - Ribbeck wurde 1800 Konsistorialrat, 1805 Oberkonsistorialrat in Berlin. Er war Propst an St. Nicolai, Beichtvater von Mitgliedern des Kgl. Hauses, Ratgeber König Friedrich Wilhelm III. im Obersten Kirchenregiment und in der "Liturgischen Kommission". - Gering fleckig.

70     Ribbeck, Konrad Gottlieb, Theologe (1759-1826). Eigenh. Brief mit U. Berlin, 31. I. 1806. 4°. 1 Seite.      € 180,–

An einen Freund und Verleger Heinrichshofen in Magdeburg wegen einer Zahlung für seinen Sohn Karl: "[...] Dürfte ich Sie dann auch wohl bald um eine Notiz der seit meinem Abgang von M[agdeburg] für mich gemachten Vorschüsse an die Sterbekasse u. d. gl. bitten, damit ich doch einigermaßen übersehen kann, wie ich mit Ihnen stehe und wie groß ungefähr jetzt mein Kredit bei Ihnen ist? Gebe doch Gott, daß Carl irgendwie ein gutes Unterkommen findet. Noch habe ich nicht kaltes Blut genug, um ohne große Erschütterung über die Sache zu sprechen und zu schreiben, sonst hätte ich schon Ihrem Freund in Hamburg für die [...] Aufnahme des Flüchtlings gedankt. Entschuldigen Sie dieß, wenn Sie an den Bidermann schreiben, gütig [...]" Verspricht eine Manuskriptsendung für sein "Neues Magazin von Fest- Gelegenheits- und andern Predigten und kleineren Amtsreden." - 1786 wurde Ribbeck Pastor an der Heilig-Geistkirche in Magdeburg, 1800 Konsistorialrat in Berlin. Er war Propst an St. Nicolai.

71     Richard, Armin, Offizier (Daten nicht ermittelt). Urwaldzauber. Zwei Wanderjahre durch Südamerika. Erlebnisse eines preußischen Offiziers aus der Nachkriegszeit. 1.-26. Tsd. Minden, Wilhelm Köhler, 1922. 8°. Mit 4 Fototafeln. 85 S., 1 Bl. OPp. (Rücken fehlt, Bindung locker und fleckig).      € 40,–

Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Seinem verehrten, lieben Leidensgenossen | und Wandergefährten von dem Ihnen | sehr ergebenen Verfasser | Armin Richard | Blinder-Passagier Nr. 2. (a. D.)".

72     Rintelen, Fritz Joachim von, Philosoph und Psychologe (1898-1979). Von Dionysos zu Apollon. Der Aufstieg im Geiste. Wiesbaden, Metopen-Verlag, 1948. 8°. XVI, 121 S. OPp. mit Schutzumschlag (Rücken lädiert, Schutzumschlag mit Ausrissen und fleckig).      € 40,–

Erste Ausgabe. - Kosch 31. - Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Mit freundlichem Gruß | Ihr | Rintelen 20. VIII. 61".

73     Roth, Eugen, Schriftsteller (1895-1976). 2 eigenh. Briefe mit U. München, 26. VI. 1972 und 10. XII. 1974. Gr.-8°. 2 Seiten. Briefkopf.      € 150,–

An Herrn Grünewald, dem er für einen Ausschnitt aus der FAZ dankt ("für mich der erste Beweis, dass auch die 'Weltpresse' Notiz von mir nimmt"): "[...] Ich habe nicht vor, mich zu den Olympischen Spielen zu äussern; meine letzte (?) Arbeit war eine Verbesserung des Tierlebens, das Buch soll nächstes Jahr, leider ohne die bunten Bilder, neu herauskommen. Seit mich im November 71 ein Auto angefahren hat, bin ich nicht mehr recht lebensfroh (eigentlich nie gewesen, Schicksal des Humoristen!) [...] Kunstsammeln hat sich aufgehört, der Markt ist leer [...]" - Über seinen bevorstehenden 80. Geburtstag: "[...] Trotzdem habe ich noch ein Erinnerungsbuch geschrieben, Sie kriegen es auch noch - viel taugt es nicht mehr. Über die Weltläufe brauche ich wohl nichts zu schreiben, sapienti sat [...]" - In beiden Briefen klagt Roth über seine Söhne.

74     Ruederer, Josef, Schriftsteller (1861-1915). Wolkenkuckucksheim. Komödie in drei Akten. München, Süddeutsche Monatshefte, 1909. 8°. 160 S. OKart. (Buchblock aus Umschlag gelöst).      € 75,–

Mit vierzeiliger handschriftlicher Widmung des Verfassers: "[...] | in herzlicher, treuer Verehrung. | Ruederer - Euelpides | Rom, 27. I. 09". - Erste Ausgabe. - Wilpert-G. 11. - "Euelpides" ist das alter ego Ruederers in dem Bühnenstück. - Beiliegt ein Blatt aus der "Einkehr - Unterhaltungsbeilage der 'Münchner Neuesten Nachrichten" vom 10. XII. 1921 mit einem Beitrag Ruederers.


Mendelssohn

Felix Mendelssohn-Bartholdy, Eigenh. Brief mit U. "Felix Mendelssohn Bartholdy" 

 
S - Z

75     Schiller - Zick, Alexander, Maler und Illustrator (1845-1907). Gedruckte und handschriftlich ausgefüllte Quittung mit eigenh. U. Coblenz, 28. XI. 1871. Qu.-8°.1 Seite.      € 50,–

"Unterzeichneter überträgt hiermit das Urheberrecht seiner im Auftrag der Verlagsbuchhandlung angefertigten Zeichnungen zu Schiller's Gedichten der G. Gote'schen Verlags-Buchhandlung in Berlin [...] und bestätigt das dafür vereinbarte Honorar mit 714 Mark ampfangen zu haben [...]" - Grote brachte gründerzeitliche illustrierte "Pracht-Ausgaben" von Schillers Gedichten heraus.

76     Schmid, Karl Friedrich, Schriftsteller (1876-ca. 1941). Von Ufer zu Ufer. München, Piloty & Loehle, 1920. 8°. Titelvign. von Hubert Wilm. 77 S., 3 Bl. OKart.      € 40,–

Vorsatzblatt mit eigenh. Widmung des Verfassers "S/l Johannes Timm | freunschaftlich zu- | geeignet. | Februar 1921 | Der Verfasser". - Timm (1866-1945) machte eine Schneiderlehre in Hamburg, engagierte sich früh in der Gewerkschaft und wurde 1890 Funktionär des deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes in Berlin. Später als Arbeitersekretär in München tätig, wurde er 1905 für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt und war seit 1911 Geschäftsführer des Gewerkschaftsvereins in München. 1918 wurde er Justizminister in der bayerischen Räteregierung, überlebte den militaristischen Gegenputsch und war seit 1920 Leiter der Reichszentrale für Heimatdienst, Abteilung Bayern.

77     Schwann, Mathieu (Matthias), Schriftsteller (1859-1939). Eigenh. Brief mit U. sowie eigenh. Gedichtmanuskript (80 Zeilen) mit Nachschrift und U. Niederhöchstadt bei Eschborn, 29. XI. und 30. XII. 1898. 8°. Zus. 6 1/2 Seiten. Doppelblätter.     
          € 180,–

An den Schriftsteller Karl Henckell (1864-1929). - I. "Es ist nicht der alte Henckell, | Ein andrer kommt nun daher, | Wohl schwingt er die alte Peitsche, | Doch knallen die Hiebe nicht mehr. || Das kann mein Herz nicht verdrießen, | Pflückt duftende Rosen er nun, | Rosen, die tief mit der Wurzel |In heiliger Herzstille ruhn [...]" - II. "[...] Vorgestern Abend ist's den Frankfurtern unheimlich geworden bei mir, 'Das ist das Stärkste, was hier je im öffentlichen Vortrag ausgesprochen wurde.' - 'Ich konnte kaum mehr zuhören, da ich den Polizeikommissar fort und fort betrachten mußte.' - Na, er hat sich nicht gerührt, und die Sache ist gut abgelaufen, und der Beifall zum Schluß zeigte mir: es war wieder ein bissl Wellenschlag da. Mag er bald verlaufen, es macht nichts. Die Jugend war da, tapfre, fröhliche Primaner, und sie mußten mir die Hand drücken. Na denn: Auch gieße nicht jungen Wein in alte Schläuche: Willst Du den Vortrag lesen, so schicke ich Dir das Manuscript, denn auf den Vortrag bekomme ich keine zweite Einladung [...]" - Schwann war Herausgeber der Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte.

78     Sexau, Richard, Schriftsteller (1882-1962). Ein Vermächtnis. Novelle. München, Eugen Rentsch, 1912. 8°. 155 S., 2 Bl. Illustr. OHlwd. (leicht fleckig und bestoßen).     
          € 50,–

Erste Ausgabe. - Kosch 531. - Titelrückseite mit eigenh. Widmung des Verfassers: "Herrn Heinrich Jaffe | mit dem Wunsch stets wachsenden | harmonischen Einvernehmens | in aufrichtiger Ergebenheit | 19. III. 12 vom Verfasser".

79     Sexau, Richard, Schriftsteller (1882-1962). Die alte Weise. Novelle. München, Georg Müller, 1916. 8°. 113 S., 3 Bl. OPp. mit Farbschnitt (Rücken verblaßt).     
          € 50,–

Erste Ausgabe. - Kosch 531. - Vortitel rückseitig mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers: "Herrn Heinrich Jaffe | in wehmütiger Erinnerung an gute | und zaghafte Hoffnung auf | bessre Zeiten | Dr. Richard Sexau. | Ascholding a. d. Isar | Weihnachten 1916".

80     Spielhagen, Friedrich, Schriftsteller (1829-1911). Eigenh. Brief mit U. sowie eigenh. beschriftete Visitenkarte. Berlin, 16. V. 1867 und 12. IV. 1881. Verschied. Formate. Zus. 2 Seiten.      € 90,–

I. Brief an seinen Verleger Otto Janke (1818-1887) in Berlin in blauer Tinte (Doppelblatt) mit einer Verabredung, um Wichtiges zu besprechen: "[...] Wenn Sie noch einen 4. Band erste Ausgabe der 'Hohensteins' [1864] haben, u. mir selbigen, so wie zwei oder drei Exemplare der 'Vermischten Schriften' [1863] schicken könnten, würde ich Ihnen verbunden sein [...]" - II. Visitenkarte an einen Herrn in Hamburg mit der Empfehlung seiner Hausfreundin Marie Schanzer.

81     Stolberg-Stolberg, Christian Graf zu, Schriftsteller (1748-1821). Eigenh. Brief mit U. Kopenhagen, 18. I. 1774. 8°. 4 Seiten. Doppelblatt.      € 2.500,–

An den empfindsamen Göttinger Bundesbruder, Freund aus Hainbundtagen, Johann Martin Miller (1750-1814), Liederdichter und Prediger am Ulmer Münster. Dem damaligen Freundschaftskult verpflichteter Brief über den Tod seiner geliebten Mutter, Charlotte Friederike Christiane zu Stolberg (geb. zu Castell-Remlingen; geb. 1722), am 20. Dezember 1773. Sie hatte ein strenges durch die pietistisch-herrnhutische Glaubensrichtung bestimmtes Leben geführt.  "Sie wissen, mein Liebster theuerster Miller, durch welch niederschlagende Betrübniß ich abgehalten ward Ihnen eher zu schreiben. Ihnen hat gewis das Herz bey dem Schmerz Ihres Freundes geblutet, so wie das meinige blutete da Sie durch die falsche Nachricht den Tod ihres Vaters glaubten. Gottlob daß sie falsch war, und daß Gott Ihnen ihren Vater wiedergeschenkt hat! Aber meine Mutter, ach! die hab' ich verloren! Ich glaube es Ihnen oft gesagt zu haben, daß ich die beste zärtlichste Mutter, aller Mütter hatte, daß sie meine Vertrauteste Freundin sey [...].  Ich würde ganz untröstlich seyn, wenn ich mir nicht zu oft sagte, wie unendlich Sie durch den Wechsel gewonnen hat. Ein krankes, fast nie Schmerzloses Leben, gegen eine Herrlichkeit zu tauschen wie die seyn muß, die solche Frommen wie sie war, empfangen , - o wie gönne ich ihr das! Ihr Ende war der Triumpf der Religion. Sie hätten sehen sollen mit welcher Ruhe, mit welcher Heiterkeit sie den Tod, den Sie wünschte, ohne sich darnach zu sehnen, herannahen sahe: Wir waren nicht bey ihrem Tode zugegen, weil sie uns den Schmerz, die beste Mutter sterben zu sehen, ersparen wollte. Clauswiz [Carl Christian Clauswitz, Hofmeister der Brüder Stolberg] und meine Schwester war zugegen [...] Nun komme ich auf Ihren Brief. Er hat mir eine wahre Seelen Freude gemacht, und ich umarme Sie dafür mit dem gerührtesten Herzen [...] Ihre Freundschaft gefunden zu haben, mein Liebster, daß ist eine Aufforderung zur Dankbarkeit, und zur Tugend: und weh mir wenn ich ihr nicht gehorche! Ich kann Ihnen nicht ausdrücken wie die Stelle aus Ihrer Predigt mich gerührt hat, da Sie Gott für das Geschenk eines Freundes danken, wobey Sie sich ihre treuen Freunde die Stolberge dachten [...]" - Christian Graf zu Stolberg war der ältere Bruder des begabteren Friedrich Leopold. Die "Gedichte der Brüder..." gab Heinrich Christian Boie 1779 heraus.

82     Stolberg-Stolberg, Friedrich Leopold Graf zu, Schriftsteller (1750-1819). Eigenh. Brief mit U. "à la campagne près Münster", 7. VII. 1807. 4°. 3 1/4 Seiten. Doppelblatt mit Adresse, zwei Poststempeln und Siegelresten.      € 3.000,–

An "Monsieur de Luc lecteur de S. Mté la Reine de la Grande Bretagne à Windsor en Angleterre". Diese Adresse ist durchgestrichen und die neue von anderer Hand auf das Adressfeld geschrieben: "J A Deluc Esq. at Miss Burges Ashfield ... Devon". Jean André Deluc (auch de Luc; 1727-1817), Geologe, Mineraloge und Meteorologe aus Genf, war 1773 Vorleser und Physiklehrer der engl. Königin in London, wo Lichtenberg ihn kennenlernte. 1776 und 1786 lebte er in Göttingen. Ende 1797 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt, trat die Stelle jedoch nie an. Er war bekannt mit dem niederl. Philosophen Hemsterhuis, der Fürstin Gallitzin, Sophie von La Roche und dem sog. "Kreis von Münster", dem auch Stolberg angehörte. In der Hauskapelle der Fürstin Gallitzin in Münster war Stolberg mit seiner Frau Pfingsten 1800 zum kath. Glauben übergetreten. - Stolberg schreibt dem "très chèr et très respectable ami", dass er auf Grund der Kriegswirren erst jetzt auf dessen Brief vom 6. Oktober 1806 antworten könne, da der Postverkehr zwischen Großbritannien und dem Kontinent gestört sei. Diesen Brief schicke er jetzt über Hamburg. Dann behandelt er ausführlich religiöse Fragen: "Je ne me serr jamais de l'expression religion naturelle, le mot de religion supposant une révélation, soit vraye ou fausse. Je croix que tout ce que la raison, laissée à elle seule, peut voir avec certitude, c'est l'existence de Dieu, manifestée par l'existence de la nature, et par l'ordre admirable qui s'y trouve [...]" Dann berichtet er von der Geburt seiner Tochter am 12. April. Er habe nun 14 lebende Kinder, von denen 12 zu Hause lebten. "J'en ai trois dans le ciel. Nous coulons des jours heureux, ma femme et moi, malgré les malheurs du tems, malgré la perspective qui humainement parlant s'offre à nos enfans. Dieu y pourvoira! [...] J'attens avec impatience Votre portrait en estampe. Milady Findlater, en passant par Altona, pour se rendre en Ecosse, en a donné quelques exemplaires à une de mes connoissances, qui connoissont mon profond attachement pour Vous [...]" - Kleiner Siegelausriß; das ursprüngliche Adressfeld unmerklich mit Chinapapier restauriert. - Nicht in den Briefverzeichnissen von Behrens und Hempel.

83     Stolberg-Stolberg, Friedrich Leopold Graf zu, Schriftsteller (1750-1819). Eigenh. Brief mit U. Hannover, 19. X. 1814. 4°. 3 Seiten. Mit Adresse, zwei Poststempeln und papiergedecktem Siegel.      € 3.000,–

An Jean André Deluc in Windsor, wo dieser auch am 7. November 1817 starb. Deluc notierte unter der Anrede: "Repondre le 28, a envoyé ma lettre à Mad. Zimmermann." Damit war wohl die Witwe des 1795 in Hannover verstorbenen kgl. großbritannischen Leibarztes Johann Georg Zimmermann gemeint.  Stolberg blickt zurück auf mehrere Ortsveränderungen und schreibt: "[...] J'ai quitté Munster, et depuis quelques ans je me suis établi à une campagne de la comté de Ravensberg, ou je file des jours tranquilles et heureux avec ma femme et mes enfans, jouissant d'un bonheur [...]" Es folgen ausführliche religiöse Erörterungen, die er mit den Worten abschließt: "Dieu a fait des miracles évidens, il a surement de grandes vues. Il a visité les peuples de l'Europe dans ses miséricordes. Il a été avec nous dans les combats, il a opéré un changement sensible dans les coeurs. On le cherche, on le trouvera [...]" Stolberg erwähnt gemeinsame Bekannte in Hannover: die oben genannte Luise M. von Zimmermann, den Arzt Heinrich Matthias Marcard und den Philosophen Georg Heinrich Feder. Am Schluß seines Briefes gibt er dem "très chèr et très respectable ami" seine Adresse an: "à Tatenhausen près Bielefeld en Westphalie". - Leicht gebräunt; am Kopf des Briefes Eintragungen in roter und blauer Tinte; Siegelausschnitt. - Nicht in den Briefzeichnissen von Behrens und Hempel.

84     Struck, Hermann, Maler und Graphiker (1876-1944). Eigenh. Brief mit U. sowie eigenh. Postkarte mit U. Berlin, 4. III. und 19. IX. 1926. Verschied. Formate. Zus ca. 3 Seiten.      € 180,–

An den Schriftsteller Hermann George Scheffauer (1878-1927) in Berlin-Grunewald. Dankt für Grüße nach Haifa und möchte Scheffauer wiedersehen. Struck empfiehlt Berta Paechter, die Scheffauers Hilfe, Rat und Einfluß benötige. Die Postkarte in Bleistift (mit Strucks gedruckter Adresse in Haifa) mit einer Verabredung. Struck emigrierte 1923 nach Palästina, wurde Mitglied der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem und half bei der Gründung des Tel Aviv Museum of Art.

85     Stuck, Franz von, Maler (1863-1928). Eigenh. Postkarte mit U. sowie Reprophotographie mit eigenh. U. auf der Bildseite. München, 11. II. 1893. 2 Seiten. Mit Adresse.      € 150,–

An den Jurastudenten, späteren Galeristen und Verleger Bruno Cassirer (1872-1941) in München, Amalienstr. 78 auf einer Postkarte des Königreichs Bayern: "[...] Am sichersten bin ich immer Nachmittag von 2-5 Uhr zu treffen [...]" - Die beiliegende "Hanfstaengl-Photographie" zeigt Stucks berühmtes Gemälde "Die Sünde"; am Unterrand die eigenhändige Unterschrift des Künstlers. - Mit seinem Cousin Paul eröffnete Bruno Cassirer am 20. September 1898 in Berlin die "Bruno & Paul Cassirer, Kunst- und Verlagsanstalt".

86     Süskind, Wilhelm Emanuel, Schriftsteller (1901-1970). Jugend. Roman. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, 1930. 8°. 414 S., 1 Bl. OLwd. (Rücken verblaßt).      € 100,–

Erste Ausgabe. - Kosch 335.  - Vorsatzblatt mit eigenh. Bleistift-Widmung und U. des Verfassers "Frau Therese Jaffe | in Respekt und Zuneigung | M[ünchen], 26. 10. 29. | W. E. Süskind".

87     Tilgner, Victor, Bildhauer (1844-1896). Eigenh. beschriftete Visitenkarte. Ohne Ort und Jahr. Ca. 7 x 10,5 cm.      € 50,–

An Herrn Luckhardt: "[...] In dem Überbringer stelle ich Ihnen Herrn von Geiger vor der Sie bitten wird eine Fotographie seiner Frau zu vergrößern. Nachdem ich eine Büste der Verstorbenen mache [...]" - Tilgner war Hauptvertreter des Neubarock innerhalb der Wiener Ringstraßenplastik.

88     Tucholsky, Kurt, Schriftsteller (1890-1935). Masch. Postkarte mit eigenh. U. "Tucholsky". O. O. (Läggesta in Schweden), 15. IX. 1929. 1 Seite. Mit Adresse.     
          € 900,–

An den Schriftsteller Friedrich Reck-Malleczewen (1884-1945) in München-Pasing: "[...] darf ich Ihren Brief über die betreffende Firma dem Berliner Schutzverband zugänglich machen -? [...]" - Die Sommerferien verbrachte Kurt Tucholsky, begleitet von der Berliner Journalistin Lisa Matthias, 1929 im schwedischen Läggesta, von wo er, auf dem gegenüberliegenden Seeufer, das Schloss Gripsholm täglich im Blick hatte. Dieses inspirierte ihn zu dem gleichnamigen Roman. - Selten.

89     Tucholsky, Kurt, Schriftsteller (1890-1935). Masch. Postkarte mit eigenh. U. "Tucholsky". O. O. (Läggesta in Schweden), 3. IX. 1929. 1 Seite. Mit Adresse.     
          € 1.100,–

An den Schriftsteller Friedrich Reck-Malleczewen (1884-1945) in München-Pasing: "[...] Ich danke Ihnen schön für die freundliche Übersendung Ihres Buches, das ich, aber bald, mit der grössten Aufmerksamkeit lesen werde. - Ich sitze hier allein in der Stille und arbeite - daher bitte ich Sie, sich zu gedulden, bis Ihnen der Verlag, den ich umgehend benachrichtigen werde, das gewünschte Bild übersendet. Ich danke Ihnen, dass Sie so kameradschaftlich und nett unseres Freundes gedenken [...]" - Die Sommerferien verbrachte Kurt Tucholsky, begleitet von der Berliner Journalistin Lisa Matthias, 1929 im schwedischen Läggesta, von wo er, auf dem gegenüberliegenden Seeufer, das Schloss Gripsholm täglich im Blick hatte. Dieses inspirierte ihn zu dem gleichnamigen Roman. - Randeinriß. - Selten.

90     Ungern-Sternberg, Alexander von, Schriftsteller (1806-1868). Eigenh. Brief mit U. Berlin, 14. V. 1847. 8°. 1 Seite.      € 180,–

An die Buchhandlung Joseph Max in Breslau: "Ew. Wohlgeboren theile ich mit, daß ein junger Mann, ein Freund von mir, ein Manuscript mir mitgetheilt hat das Scenen aus dem norddeutschen Volksleben in Novellenform gebracht enthält, u. daß diese Arbeiten mir von einer ganz besonderen Frische u. von höchst eigenthümlich poetischer Auffassung zeugen. Er hat mich gebeten, eine solide Buchhandlung für sein Interesse zu gewinnen. u. ich habe dabei an Ihre geehrte Firma gedacht. Wollen Sie mir mittheilen, ob Sie auf diesen Antrag eingehen; das Manuscript soll Ihnen alsdann zur definitiven Entscheidung portofrei übersandt werden. Der Name des jungen Mannes ist C. Zitelmann [Karl Ludwig Zitelmann, Pseud. L. Seidelmann] u. er ist Assessor in Stettin. Seine Stellung bringt es mit sich, daß er viel mit den bäuerlichen Verhältnissen zu thun hat, er schöpft daher seine Anschauungen aus der Quelle, nicht wie Andeere aus der dritten u. vierten Hand [...]" - Ungern-Sternberg ging nach 1841 von Weimar nach Berlin, wo er im Kreis um Karl August Varnhagen von Ense verkehrte, und zeitweise auch als Korrespondent der "Kreuzzeitung" arbeitete. Im Auftrag des russischen Gesandten war er Berichterstatter bei der Frankfurter Nationalversammlung und beim Erfurter Parlament.

91     Vogel, Hanns, Schriftsteller (1912-2005). Das bayerische Krippenspiel mit alten heimatlichen Weihnachtsliedern. Text- und Liederheft. München, Höfling, 1949. Kl.-8°. Mit einig. Illustr. 55; 11 S. OKart.      € 40,–

Titelblatt des Liederheftes (2. Aufl.) mit eigenh. Widmung und U. des Verfassers "Herzliche Grüße und | Wünsche aus der Heimat | Herrn Ernesto Jaffe | Hanns Vogel | Weihnachten 1961". - Hanns Vogel war bayerischer Schriftsteller, Dramaturg und Theaterleiter. Er ist Gründer der Autorenvereinigung Münchner Turmschreiber. Er war in den 1960er und 1970er Jahren im Kulturreferat der Landeshauptstadt München tätig und u. a. verantwortlich für die Organisation der 800-Jahrfeier der Stadt sowie die Ausrichtung von Münchner Stadtteilfesten.

92     Wedekind, Frank, Schriftsteller (1864-1918). Porträtphotographie mit eigenh. Widmung und U. auf dem Untersatzkarton. Ohne Ort (München), Mai 1913. 23 x 16, 5 cm (Photo). 28 x 22 cm (Karton).      € 250,–

"Herrn Heinrich Jaffe zur freundlichen Erinnerung | Frank Wedekind." Für den bakannten Münchner Buchhändler in der Briennerstrasse. - Die Photographie ist links unten signiert "Anna Hertwig 1905". - Ränder etwas ausgesilbert, die Photographie besonders links unten und rechts oben mit einigen Kratzern, die Ecken des Kartons links ca. 1,5 cm abgebrochen. - Dennoch ausdrucksstarkes Porträt.

93     Weiß, Emil Rudolf, Graphiker und Schriftsteller (1875-1942). Eigenh. Brief mit U. Berlin, 31. VII. 1928. Gr.-4°. 1 Seite.      € 120,–

An den Bibliophilen Emil F. Tuchmann, dem er für die Übersendung des kleinen Büchleins "Rainer Maria Rilke und Karl von der Heydt. Dokument einer Freundschaft" (1927) dankt, mit dem er ihm eine Freude gemacht habe. Er fahre in Urlaub, weshalb seine Gegengabe erst danach erfolgen könne. - Zu Tuchmann vgl. Homeyer. - Beiliegt: Dass. Bernau im Schwarzwald, 13. I. 1922. Qu.-8°. 1 Seite. Bleistift. - Wegen einer Verabredung. - Emil Rudolf Weiß war Lehrer an den "Vereinigte Staatsschulen für Freie und Angewandte
Kunst".

94     Wilhelm I., König von Preußen, Deutscher Kaiser (1797-1888). Urkunde mit eigenh. U. "Prinz v. Preußen". Berlin, 19. VII. 1853. Gr.-Fol. 1 Seite.      € 120,–

Ernennt als Protektor der Allgemeinen Landes-Stiftung zu Unterstützung der vaterländischen Veteranen und invaliden Krieger den Kreisgerichts-Direktor Maske in Jüterbog zum Ehren-Mitglied. - Ränder und Eckfehlstellen hinterlegt und ergänzt.


Wedekind

Frank Wedekind, Porträtphotographie mit eigenh. Widmung 

 

 
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